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ANGEDACHT

Der 11.11. – für die Einen ist es der Martinstag, für die Anderen der Startschuss in die 5. Jahreszeit. Beides hat seinen Sinn und seine Berechtigung.Leider ist dieser Tag 2020 ganz anders. Kein Martinsumzug, kein Stürmen der Rathäuser. Nichts. Diese Gemeinschaft entfällt dieses Jahr.

Obwohl wir sie dringender denn je brauchen.

Der Martinstag, auch Sankt-Martins-Tag, Martinsfest oder Martini genannt, ist im Kirchenjahr das „Fest des heiligen Martin“ von Tours. Es ist abgeleitet von der Grablegung des Bischof Martin von Tours am 11. November 397. Dieser Tag ist von zahlreichen Bräuchen geprägt, darunter der Martinsumzug, die Martinsmänner, das Martinssingen und das Martinsgans essen.

Doch wer war dieser Bischof, dieser Martin von Tours? Gerne wird die Legende erzählt, dass die Martinsgans ihren Ursprung in Martins Leben und Wirken hat. Das Volk von Tours drängte, entgegen seinem eigenen Willen und trotz Vorbehalten des Klerus, Martin dazu, sich zum Bischof ihrer Stadt weihen zu lassen. Martin führte sein Leben bescheiden und asketisch. Er hielt sich für dieses hohe Amt nicht würdig genug. Deswegen versteckte er sich in einem Gänsestall. Und selbst die Gänse waren anderer Meinung und schnatterten laut drauf los, als er sich bei ihnen verstecken wollte. So wurde er von den Bürgern gefunden und zum Bischof geweiht.

 

Eine andere Erzählung berichtet davon, dass ein Bauer das Versteck Martins kannte und ihn mithilfe einer List aus seinem Versteck lockte. Er berichtet Martin von einer kranken Frau, die seine Hilfe benötigte. Hilfsbereit wie er nun mal war, packte er seine Sachen und ging zu der Kranken. Er sah sehr schmutzig aus, dennoch half er und wurde danach zum Bischof geweiht.

Das sind die Legenden und Grundlagen der Martinsgeschichte. Und es gibt noch viele viele mehr.

Etliche von uns kennen aber die Tradition des Martinsumzuges, bei welchem der heilige Martin als Soldat oder als Bischof mitreitet. Diese Tradition ist aber noch gar nicht so alt. Sie entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Rheinland. Heutige Martinsumzüge sind meist überpfarrlich, kindergarten- oder schulorientiert und katechetisch ausgerichtet. Das Rollenspiel mit der „Mantelteilung“ findet hier seinen Platz.

Hier soll den Menschen, insbesondere jüngeren, der Akzent des mitmenschlichen Helfens vermittelt werden. Als nachträglicher Rückgriff auf die Martinslegende. Im Anschluss gibt es oft das Martinsfeuer und dazu einen Weckmann aus Hefeteig. Weckmänner oder auch Stutenkerle werden oft auch mit Pfeife dargestellt. Die Pfeife steht symbolisch für den Bischofsstab. Einer der grössten St.-Martins-Umzüge Deutschland findet man in Worms-Hochheim im Rheinhessischen.

Eine schöne Tradition, Menschen mitmenschliches Handeln zu vermitteln. Wir leben in einer Zeit, die sich immer schneller und manchmal sehr egoistisch und einsam dreht. Viele kennen den Spruch, „wenn jede*r an sich denkt, ist auch an alle gedacht“. Stimmt - im Prinzip. Aber der Mensch ist ein soziales Wesen. Ohne den Austausch mit seiner Umgebung verkümmert der Mensch. Egal ob jung oder alt, arm oder reich, ob gesund oder krank. Gerade in Krisenzeiten zeigt sich, was „uns“ ausmacht. Wir Menschen sind hilfsbereite und kommunikative Wesen. Wir helfen alten und beeinträchtigten Menschen. Im Haus, in der Strasse, im Stadtteil oder im Dorf. Unter Beachtung der geltenden AHA- und Abstandsregeln eine feine Sache. Wir spüren den Zusammenhalt. Auch wenn es einige Querschläger und -denker gibt.

Wir brauchen heute nicht unseren Mantel teilen. Vielleicht aber unser Telefon oder sozialen Netzwerke. Und auch unseren Gang in den Supermarkt. Eventuell auch mal auf die Nachbarskinder aufzupassen, damit die Eltern „durchschnaufen“ oder „nur“ mal richtig arbeiten können. Das ist Sankt Martin 2020. Kreative Gedanken und Ideen sind in unserer jetzigen lock-down – Zeit gefragt. Ein*e Jede*r kann helfen und sich mit seinen Gaben und Fähigkeiten einsetzen. Gewiss nicht jede*r wird danach, wie damals in Tours, zum Bischof geweiht.

(ESB 2020 – ED)

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